BMZ-Projektabschluß: Aufforstungen und Buschfeuerbekämpfung in der Uvira-Region

Das war das Projektziel:

"Schutz und Rehabilitation der natürlichen Ressourcen von Waldflächen in der Region. Dies soll erreicht werden durch Rückgang der Buschfeuer, durch Einführung von Waldbewirtschaftung/Forstwirtschaft, Forstmanagement, mit einer gezielten Kampagne gegen Buschfeuer bzw. deren Überführung in ein kontrolliertes Management der Brände. Dadurch sollen neue Aufforstungen möglich und bisherige Aufforstungsflächen rehabilitiert und ge­schützt werden. Die betroffene verarmte Bevölkerung soll profitieren durch Fortbildungen im land- und forstwirtschaftlichen Bereich, um Vorteile zu erhalten, wenn sie Natur- und Umwelt­schutz praktiziert, an den auch die Jugend herangeführt werden soll."

Von 2015 bis Ende April 2019 hat das deutsche Entwicklungshilfeministerium diese Projekt in der Uvira-Region gefördert. Standorte waren in Uvira selbst, an den Hängen, westlich der Stadt, die danach ins Itombwe-Gebirge übergehen, in Kyamate, bei dem Städtchen Sange in der Ruzizi-Ebene, in Kamanyola an der Südgrenze zu Ruanda und dann im Businga-Massiv, wo die kongolesische Straße nach Bukavu sich ungefähr 1.000 Meter hoch in Serpentinen windet, ganz unten ist häufig der Ruzizi-Fluss zu sehen, der die Grenze zu Ruanda bildet und vom Kivu- in den Tanganjikasee fließt.

Herausforderung waren unzählige Buschbrände, welche für die Partnerorganisation OSBDEC in Uvira in den Jahren bis 2015 fast alle bis dahin vorgenommenen Aufforstungsflächen abbrennen ließen. Deshalb wurde ein Projekt konzipiert, bei dem die Bekämpfung dieser Buschbrände im Vordergrund stehen sollte. Dies ist gelungen.

Auch neue Aufforstungen konnten gepflanzt werden und die staatliche Forstkoordination hat OSBDEC in Kyamate bei Sange und im Businga-Massiv einige sehr große Flächen, die als Naturschutzgebiet gelten, zur Rehabilitation anvertraut. Natürlich steht in allen Flächen noch kein Wald. Bis das alles zugewachsen ist, werden noch Jahre vergehen. Im oberene Teil des Businga-Massivs, wo unsere Partnerorganisation seit 2013 aufforstet, sieht das schon ganz anders aus. Hier ein Beispiel:

 

Zielgruppe waren 5.339 Familien mit ungefähr 32.033 Personen, davon wirkten 1.779 Familien besonders aktiv mit und wirken als Multiplikatoren, darunter 3.100 Frauen in Außenbezirken von Uvira, in Sange, Kamanyola und im Berg­land von Ngomo und Businga-Süd. Außerdem mindestens 1.380 Kinder und Jugendliche für Natur- und Umweltschutz-Clubs. Die Zielgruppe lebt in einem ländlichen Umfeld von Ackerbau und Kleinhandel, teilweise Subsistenzwirt­schaft. Die Trägerorganisation OSBDEC hat ihren Sitz in Uvira und in den Pro­jektstandorten Sange und Kamanyola Mitgliedsgruppen, welche auch in der be­nachbarten Gebirgsregion von Ngomo und Businga-Süd tätig werden.

Projektziel

Hauptprojektziel war Schutz und Rehabilitation der natürlichen Ressourcen von Waldflächen in der Region. Dies sollte erreicht werden durch Rückgang der Buschfeuer, durch Einführung von Waldbewirtschaftung/Forstwirtschaft, Forstmanagement, mit einer gezielten Kampagne gegen Buschfeuer bzw. deren Überführung in ein kontrolliertes Management der Brände. Dadurch sollten neue Aufforstungen möglich und bisherige Aufforstungsflächen rehabilitiert und ge­schützt werden. Die betroffene verarmte Bevölkerung sollte profitieren durch Fortbildungen im land- und forstwirtschaftlichen Bereich, um Vorteile zu erhal­ten, wenn sie Natur- und Umwelt­schutz praktiziert, an den auch die Jugend herangeführt werden sollte.

Von der Zielgruppe haben 2.827 Personen an den Fortbildungen teilge­nommen, 2.157 Personen speziell an den Kursen zum Bau des holzsparenden Lo­rena-Ofens mit, 1.762 Personen nahmen an den Kompost-Seminaren teil und 1.247 Jugendliche wirkten in den Jugendgruppen mit.

Ein wichtiges Ziel war die Reduktion der Buschfeuer:

Interessant ist ein Vergleich der geschätzten Reduktion der Buschfeuer in den einzelnen Jahren:

                              2016   2017    2018

Uvira                       20%    30%    65%

Sange                     15%    25%    85%

Kamanyola               25%    40%   90%

Ngomo /Businga Süd 10%    35%   65%

Rehabilitiert wurden insbesondere in Businga und Kyamete (Sange) sehr viel größere Flächen als ge­plant, mit einheimischen Baumarten und gegen Buschfeuer gesichert. In den nächsten Jahren muss die entstehende Forstverwaltung insbeson­dere der Buschfeuerbekämpfung weiterhin höchste Priorität beimessen. Die Voraussetzungen dazu hat dieses Projekt geschaffen.

Hier einige Fotos vom heranwachsenden Wald:

A. Uvira

Durch dieses durch Erosion entstandene Tal wälzten sich im Mai 2018 bei starken Regenfällen in unglaublichem Ausmaß Steine und Geröll

und zerstörte das weiter unten liegende Viertel von Uvira. Die Bepflanzung stabilisiert den Hang.

Dies ist der Blick in die Gegenrichtung hinauf auf den Berg, sowohl im Vordergrund hat OSBDEC aufgeforstet, als auch im Hintergrund weiter oben am Berg.

 

B. Kamanyola

Dort wurde in Kanshala, so heißt dieses Gebiet aufgeforstet. Natürlich entsteht nicht von heute auf morgen ein Wald und man hatte nach dem Pflanzen auch Verluste zu beklagen. Aber so ganz allmählich wird das wieder grün. Eine Gruppe der Partnerorganisation begibt sich ins Projektgebiet:

Im Vordergrund Kanshala, dazwischen ein Berghang, der noch von Buschbränden in Mitleidenschaft gezogen worden ist, im Hintergrund ist der Ruzizi-Fluss zu sehen, der dort auch die Grenze zu Burundi bildet.

 

C. Ngomo im Businga-Massiv

Der größte Teil der Flächen wird rehabilitiert: Seit drei Jahren sind die Buschbrände dank der Kampagnen von OSBDEC deutlich zurückgegangen. Die Bevölkerung von Ngomo arbeitet engagiert mit und hat mehrere Flächen vor allem mit Grevilea aufgeforstet, aber häufig kommt auch der Naturwald zurück, seit die Buschbrände aufgehört haben. Man hat auch viele Obstbäume bepflanzt, vor allem Mango und zwar an geeigneten Stellen am Hang nach dem Prinzip der Agroforstwirtschaft, zwischen den Bäumchen wurden z.B. Maniok und Süßkartoffeln angepflanzt:

Die folgenden Fotos sind alle von dieser Fläche. Weiter unten ist die Agroforstwirtschaft, auf dem Foto oben nicht so gut zu erkennen, mit den zahlreichen Mangobäumen.

 

 

 

Dem Projekt ist gelungen zwei große staatliche Naturschutzgebiete (Kyamate und Businga-Süd) auf den Weg der Rehabilitation zu bringen. Erste Erfolge zei­gen sich nicht nur im Rückgang der Buschbrände, welche vorher diese Gebiete heimsuchten, sondern auch darin, dass die Natur zurückkehrt: die Region wird wieder grün und dürfte in wenigen Jahren einen Naturwald aufweisen, wenn auch künftig die Buschbrände begrenzt bleiben. Das deutlichste Beispiel für den Erfolg, besonders in Kyamate, ist die Rückkehr von Tieren: Affen, Gazellen, Ha­sen, Perlhühner, Wildtauben besiedeln wieder das Gebiet, die vorher ver­schwun­den waren. Im Businga-Massiv sind Paviane (Affen und Perlhühner) zu­rückge­kehrt. Dort, im Businga-Massiv, ist besonders deutlich der Unterschied zu der Zeit vor Projektbeginn 2015 sichtbar: Seinerzeit waren die meisten Hänge am Ende der Trockenzeit jedes Jahr abgebrannt und erodierten. Seit 2016 ha­ben diese Brände nachgelassen und fast ganz aufgehört, weil die Bevölkerung voll in dieses Projekt mit den Maßnahmen der Landvolkshochschule integriert war, an den Aufforstungen mitwirkte und auch attraktive Alternativen zur vor­herigen ausschließlichen Produktion von Holzkohle, Maniok und Bananen fand. Beispielsweise bringen die zahlreichen gepflanzten Mangobäume ab 2020 erste Früchte, auch Feuerholz kann wieder gefunden werden. In Uvira wurde ein mehrere hundert Meter hoher Hang bepflanzt, der von extremer Erosion bedroht ist und ein Teil ist 2018 auch erodiert, mit verheerenden Folgen für ein darunter liegendes Stadtviertel. Inzwischen sind die gepflanzten Bäume so kräftig, dass sie an diesen Stellen die Erosion verhindern.

Forstwirtschaftlich hat das Projekt nach drei Projektjahren noch wenig Rele­vanz. Die Wirtschaftlichkeit ist derzeit für die Bevölkerung auf einer anderen Ebene: eine sehr große Verbreitung haben die holzsparenden Lorena-Lehmöfen gefun­den, durch welche deutliche Holzeinsparungen möglich sind und die den vorher benutzten Drei-Steine-Ofen ablösten. Weniger Holz bzw. Holzkohle muss gesam­melt oder zugekauft werden. Durch intensive Fortbildung in Kompostie­rung wur­den die Böden und damit auch die Ernten verbessert. Neue Gemüse­arten wurden über die Landvolkshochschulkursen eingeführt, ebenso Kennt­nis­se zur Vermehrung des Saatguts. Der Rückgang der Buschfeuer hat indirekt ei­ne posi­tive Wirkung auf die künftige wirtschaftliche Nutzung der re­habilitier­ten und aufgeforsteten Flächen. Besonders in dem Dorf Ngomo im Bu­singa-Mas­siv, des­sen Bewohner in den letzten Jahren weit laufen mussten, um eine Was­ser­stelle zu finden, wird beobachtet, dass ältere Wasserquellen wie­der häu­figer Was­ser spenden. All dies überzeugt die Bevölkerung und hat sie jedes Jahr mehr ermutigt das Projekt zu unterstützen, wie auch die Eigenbeteili­gun­gen zeigen.

D. Kyamate beim Städtchen Sange im Ruzizi-Plateau

Über dies Gebiet haben wir bereits  auf dieser Internetseite  berichtet: "Wenn der Wald wiederkommt". Einfach klicken!