Ziegelsteinprojekt 2

 Ziegelsteine aus Namibias Wüste

Das erste Ziegelsteinprojekt in 2012 hatte zum Ziel, den Grundstein für eine Ziegelsteinproduktion zu legen und das gelang auch. Dass es mühsam sein würde war allen von Anfang an klar, ohne Ton- oder Lehmgrube in der Nähe wird’s schwer, aber Zement  ist ein nahezu vollwertiger Ersatz und Sand liefert die umliegende Kalahari reichlich.  Und seitdem es sich in Hoachanas herum gesprochen hat, dass Deensia oder genauer gesagt ihre Männerriege jetzt Ziegelsteine herstellt, kann sich so mancher  auch ein paar Steine leisten, um damit später eine Terrasse, eine Küchenecke, eine Garage oder auch ein Grabkreuz bauen zu lassen. Bei den kleinen Einkommen, und es sind vor allem die Rentner, die über ein regelmäßiges Einkommen verfügen, wird steinchenweise gebaut und entsprechend lange dauert es. Kurzum: mühsam ist die Herstellung, mühsam ist auch der Verkauf. Bild: Der Sand kommt aus der nahen Kalahariwüste.

 
Im Garten von Deensia befindet sich in der hintersten Ecke die Toilettengrube, der Standard auf dem Lande. Aber in Deutschland hatte Dennsia eine bequemere  Art des Toilettenbesuches kennen gelernt und als ich im Internet entdeckte, dass in Otjiwarongo im Norden Namibias Toiletten hergestellt werden, kam sie auf die Idee, über die Grube eine Platte zu legen, darauf einen Toilettensitz aus Otjiwarongo und drum herum ein Häuschen aus Stein zu bauen. Diese Idee hat sie realisiert und gehörte damit zu den wenigen in Hoachanas, die eine solche Toilette besitzen. Es sprach sich herum, manche wollten auch Probesitzen, das Interesse war groß, aber einerseits der hohe Preis für solch eine moderne Toilette und dann diese andere ungewohnte Art, das kam einer kleinen Revolution gleich. Mit solchen neuen Ideen muss man in jungen Jahren anfangen und so besuchte sie den Direktor der Grundschule, von der sie wusste, dass diese Schule keine Toilette besaß. Er war begeistert, aber er wusste nicht, wie das finanzierbar wäre. Aber Deensia hatte eine Idee, denn wem einmal geholfen wurde, dem hilft man auch ein zweites Mal. Aber wir mussten erst ein paar Mal telefonieren um zu klären, wieviel an Toiletten gebraucht werden und was das kosten würde.

Jetzt stehen auf dem Schulgrundstück der A.M.E. Community Private Primary School  drei TrockenToiletten, eine für die Mädchen, eine für die Jungen und noch eine für die Lehrer. Das hat viel Freude ausgelöst, allen voran bei den Kindern, die jetzt die Pause zum Spielen nutzen können anstatt sich in die Büsche zu schlagen, beim Direktor und den Lehrern, die nun nicht mehr besorgt den Kinder hinterher schauen müssen und hoffen, dass spätestens nach 15 min alle wieder wohlbehalten zurück sind und bei den Eltern sowieso. Und genau hier hoffen wir auf Nachahmereffekte, denn wenn die Kinder jetzt nachhause kommen, müssen sie wieder in die Hocke gehen. Das wird zu familieninternen Diskussionen führen und letztendlich könnte die Ladentür bei Deensia klingeln, weil wieder jemand ein paar Steine bestellen möchte, dieses Mal für eine Toilette.


Der Direktor hat seine Dankbarkeit ausgedrückt, dabei sich weitere drei Toiletten gewünscht für die insgesamt 150 Kinder und schon mal darauf hingewiesen, dass die Schule bald ein Internat erhält,  auch ohne Toiletten. Wir sind aber erst einmal sehr gespannt, wie die Handhabung der neuen Toiletten gelingt. Immerhin hat einer der Lehrer sofort erkannt, dass man aus den festen und flüssigen Abfällen einen perfekten Dünger gewinnen kann und er schlug direkt vor, einen Schulgarten einzurichten, wo man diesen Dünger bestens verwenden kann. Genauso ist die Trockentoilette auch konzipiert und heißt darum besser Trenntoilette.  


Dem Bau der Schultoiletten vorangegangen war die Verbesserung der Produktionsbedingungen für die Ziegelsteinherstellung. Der Verein konnte mit Unterstützung des ersten Projektes ein Grundstück erwerben, es einzäunen und einen Wasseranschluss verlegen lassen. Mit diesem Projekt wurde die Situation dahingehend verbessert, dass auf dem Gelände ein kleines Gebäude errichtet werden konnte, worin sich ein bescheidenes Büro und ein angrenzender Lagerraum befindet.  Hier können die Werkzeuge und die Materialien – vorrangig die Zementsäcke – trocken und sicher gelagert werden. Diese Maßnahme war außerordentlich hilfreich für die anschließenden Arbeiten an den Schultoiletten.         


Als eine weitere kleinere aber sehr nützliche Maßnahme konnte der Pick-Up ertüchtigt werden, der lange Zeit aufgebockt auf einem Farmgelände stand. Er besaß keine Reifen mehr ( die fahren jetzt an einem Donkey Car), die Batterie hatte ihren Geist aufgegeben und es musste eine neue eingebaut werden und schließlich mußten ein paar Schweißarbeiten durchgeführt werden. Jetzt besitzt der Verein einen kleinen Pick-Up, mit dem die Materialeinkäufe und die Fahrten in die Wüste um Sand zu holen selbst erledigt werden. Das hat den Vorteil, dass man nicht auf andere Fahrer warten muss und zudem ist es preiswerter, wenn ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung steht (solange zumindest keine hohen Reparaturkosten anfallen). Als kleines Beibrot kann bei einer Einkaufstour auch schon mal ein Dorfbewohner mitgenommen werden was den Benzinpreis halbiert.

Die beiden Projektleiter, Frau Swartbooi in Namibia und Herr Blaschke in Düsseldorf sind dankbar, dass mit der Unterstützung durch Engagement Global ein kleines Projekt realisiert werden konnte, welches einerseits etwa ein halbes Dutzend junger Burschen ein kleines Einkommen ermöglicht. Darüber hinaus wird mit dem Bau der Toiletten  die Umweltsituation verbessert , die hygienischen Bedingungen bei den Kindern und durch Nutzung der "Abfälle" auch noch die Einrichtung eines Schulgartens möglich wird, was ebenso wie die modernen Toiletten dazu führen könnte, dass die Eltern dieses als Vorbild erkennen und selbst eine Toilette bauen (lassen) und einen  kleinen Garten anlegen. Bild: Einzelteile der Otji-Toilette
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Bernd Blaschke (Düsseldorf) + Deensia Swartbooi (Hoachanas)

Laufzeit

April 2015 - Februar 2016
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