Aufforstung und Bildungsmaßnahmen für Forstmanagement

Warten auf das Wachsen der Bäume

„Überlebenshilfe“ nennen wir seit ein paar Jahren die LHL-Unterstützung für kongolesische Partner. Inzwischen wird ganz neu­deutsch über „Resilience“ gesprochen: Im Nach­kriegskongo soll die Bevölkerung gestärkt werden, um selbständig die Zukunft meistern zu können. Ihre Vergangenheit: das war Krieg um Rohstoffe, um Coltan, um die Vorherrschaft in Ostkongos Bergwerken: vergewaltigte Frauen, Flüchtlinge, 6 Millionen Tote. Der Krieg förderte Entwaldung und schwächte den Umweltschutz.

Die LHL-Überlebens­hilfe setzte deshalb auch 2015 wieder mit Unter­stützung des BMZ und vielen kleinen und größeren Spenden Aufforstung fort, dazu Bildungsmaßnahmen für Forstwirt­schaft, aber auch ca. 2.000 „Marafiki wa Mazingira“ („Freunde der Natur“). Diese Naturfreundejugend legt Gemüsegärten an, pflanzt eben­falls Bäume und hilft bei der Buschbrandbekämpfung. Im April 2016 erhielten wir von den lokalen Partnern Zahlen der Pflanzungen von 2015, die teilweise noch ins Jahr 2014 hineinragen:

Nyangezi: Rehabilitation von Naturwald und Pflanzung von 12.969 Setzlingen. Hier hatte im Vorjahr ein großes Buschfeuer gewütet. In 2015 konnte dies verhindert werden.

Mushenyi: 34.781 Setzlinge produziert, gepflanzt bzw. an die Bevölkerung verteilt. Kaziba: 18.914 Setzlinge produziert, davon 4.428 von fünf einheimi­schen Bäumen, deren Namen man noch nicht kennt, die aber gut gedeihen: eine kleine Sensation.

Luhwinja: 38.375 Setzlinge produziert, gepflanzt bzw. an die Bevölkerung verteilt, davon 4.390 Prunus africana, ein sehr wertvoller einheimischer Baum, der auf der Liste der gefährdeten Pflanzen steht. Und in Luhwinja wachsen und gedeihen jetzt wieder tausende, nachdem im Vorjahr ein Test mit 165 Setzlingen Erfolg zeigte.

Burhinyi: 52.563 Setzlinge produ­ziert, aber auch große Verluste, ca. 30 %.

Katana: ca. 20.000 Setzlinge, teilweise in Nachbarschaft zum Kahuzie-Biega-Nationalpark.

Kavumu: 105.650 in zwei Pflanzperioden, d.h. ca. 52.825 in 2015, in 2014 auch Brandverluste.

Insel Idjwij, Nord und Süd: 199.200 Setzlinge in zwei Pflanzperioden, d.h. ca. 99.600 in 2015. Überall auf Idjwij pflanzen jetzt Familien Bäume.

Im Februar fand eine Evaluation des Entwicklungshilfeministeriums als Hauptgeldgeber statt. Im Bericht wird u.a. festgestellt: „Das Oberziel wird wie folgt formuliert: Das Projekt trägt dazu bei, im Südkivu (Ostkongo) die Armut zu reduzieren und die natürlichen Res­sourcen zu rehabilitieren und zu schützen. Macht es Sinn, Bäume zu pflanzen in einem der ärmsten Länder der Welt, in dem die Analphabe­tenrate immens, die Gesundheitsversorgung mangelhaft, die Fami­lienplanung nicht vorhanden und die Sicherheitssituation fraglich ist? Nach mehreren Besuchen und Feststellung der Fortschritte der Projektziele über viele Jahre kann man diese Frage nur bejahen. Das gemeinsame Engagement bei der Wiederaufforstung, die angesichts ex­tremster Armut und Unsicherheit fast als „Luxus“ angesehen werden muss, bringt überraschenderweise auch nicht geplante und begrüßens­werte Nebeneffekte in Bezug auf Bildungsmaßnahmen, Förderung von Ge­sundheitsstrategien, Stärkung von Zivilbevölkerung und Friedensmaß­nahmen mit sich. Die nachhaltige und immer absolut zuverlässige Be­treuung durch LHL, auch in unsicheren Zeiten stärkt das Eigenmanage­ment der Partner, die ihrerseits eine stärkere Vernetzung mit ge­meindefördernden Projekten suchen und finden... Die Qualität der Durchführung der Entwicklungsmaßnahme ist gut. Das Interesse und die Motivation aller Beteiligten der Projektträger sind hervorragend. Die Effizienz des Projektes kann als außergewöhnlich gut bezeichnet werden...“

Im Sommer 2015 wurde dann auch das bisher letzte Projekt in dieser Serie vom BMZ bewilligt: Aufforstung und Buschfeuer-Bekämpfung in der Uvira-Region.Auch hier wieder die gleiche Struktur, aber ein neues Element: Wildfeuer sind eine riesiges Problem in der Region, die nur so vor Biodiversität strotzt – wenn nicht die Brände wären, die jedes Jahr in der Trockenzeit gelegt werden. Hier ein paar Zeilen aus einem Reisebericht: „In Uvira (700 m über NN) bis hinauf nach Kamanyola (800 m über NN) an der ruandischen Grenze und weiter hoch ins Businga-Massiv begann unser Partner, die „Orga­nisation St. Basilius für die Entwicklung des Ostkongos“, mit einem Programm zur Bekämpfung der Buschfeuer, die zu einer Plage geworden sind und in der kahlen Landschaft jede Aufforstungsbemühung zunichte machen. Als ob die Bevölkerung auf solch eine Kampagne gewartet hät­te: Bei unseren zahlreichen Volksver­sammlungen während meiner Reise mit dem recht altersschwachen Jeep (dreimal Rei­fenpanne in einer Woche) wurde die Kam­pagne lebhaft begrüßt, allen voran auch von den „Honoratioren“ der Region, den „Mwamis“ (traditionelle Könige), von ih­ren Chefs und den staatlichen Vertre­tern, die bisher dagegen machtlos waren. Der Einsatz lohnt sich: Wenn unseren Partnern gelingt, die illegalen Wild­feuer einzudämmen, kann an vielen Stel­len in wenigen Jahren der tropische Wald mit einheimischen Bäumen wieder rehabi­litiert werden. Jetzt, in der Regenzeit, war die reiche Biodiver­sität der Region von Uvira überall sichtbar – ganz anders als weiter west­lich im kahlen Hochland von Kaziba und Luhwinja, mehr als 1.000 Meter höher, wo Erosion die Böden verarmen lässt und Aufforstung ein mühsames Unterfangen ist.“ Heinz Rothenpieler

Aus dem LHL-Jahresbericht 2015