September 2017: Neuigkeiten aus dem Tschad

Schon vor Monaten sollte dieses Infoblatt an alle herausgehen, aber es hätte nur berichtet werden können, dass der im Dezember abgeschickte Container noch immer nicht am Bestimmungsort Benoye angekommen ist. Genau genommen ist er auch jetzt noch nicht dort.

Was ist geschehen? Wegen der relativ späten Fertigstellung des Vereinsheimes erst Ende September 2016 konnte auch die Abrechnung gegenüber der Bingo-Umweltstiftung in Hannover erst recht spät erfolgen. Es wurde uns aber nicht gestattet, einen Antrag auf die Förderung eines neuen Projekts zu stellen, bevor nicht das aktuelle vollständig abgeschlossen sei.

Um nicht mit dem neuen Projekt zu spät in Benoye beginnen zu können, beantragten wir die Erlaubnis, unser jetziges Projekt vorzeitig zu beginnen, allerdings ohne die Zusage einer späteren Förderung. Trotz sehr begrenzter Mittel bei der Bingo-Umweltstiftung in Hannover erhielten wir im Juni die erlösende Mitteilung, dass unser Projekt der Einrichtung eines Klassenraums mit PCs und der Installation einer leistungsstarken PV-Anlage mit einem Betrag von € 29.500 gefördert werde.

Wie ging es aber voran mit dem im Dezember abgesandten Container? Wir waren zuversichtlich, noch vor Beginn der sommerlichen Regenzeit im Raum Benoye den Container nach Benoye schaffen zu können. Aber diese Hoffnung nahm uns die tschadische Bürokratie, indem immer neue Schwierigkeiten sich auftaten, um die Befreiung von Zollgebühren zu erhalten. Die finanzielle Förderung des Container-Transports von Deutschland in den Tschad durch Engagement-Global in Bonn war ja nur genehmigt worden, wenn die Waren zollfrei importiert werden können.

Bei unserem ersten Versuch, einen Container nach Benoye zu senden, hatte JARABE beim regional zuständigen Zollamt die Zollbefreiung recht schnell erhalten. Aber dieses Mal kam es ganz anders. Zunächst wurde die Zuständigkeit verlagert in die über 400 km entfernte Hauptstadt N’Djamena. Etwa im Februar wurden die beiden Ministerien Wirtschaft und Finanzen zusammengelegt – niemand fühlte sich zuständig. Unsere Bitte an die deutsche Botschaft in N’Djamena wurde leider zunächst wegen Personalmangel zurückgewiesen. In unserer Not entsandten wir Ende März Roger Madingar nach N’Djamena, um vor Ort täglich um das Dokument zu kämpfen. Der langen Rede kurzer Sinn – letztlich kamen wir nur durch das Engagement der deutschen Botschaft in den Besitz des Dokumentes, welches endlich den Weitertransport des Containers aus dem Hafenort Douala in Kamerun ermöglichte. Und dann wollte plötzlich auch die kamerunische Botschaft noch ihren Segen erteilen. Eine Verzögerung nach der anderen. Endlich traf der Lastwagen mit dem Container Mitte August in Moundou ein.
Unser Mann R. Madingar war allerdings nicht untätig. In Benoye organisierte er den Bau des PC-Klassenraums. Ebenso erkundete er, welche Fachleute für die Installation der 15-kw PV-Anlage zur Verfügung stehen und in welcher Weise eine leistungsstarke Verbindung ins Internet geschaffen werden kann.

Die Materialien im Container werden zwar erst Anfang Oktober zur Verfügung stehen, wenn die Straße wieder einigermaßen passierbar sein wird. Neben den Solarmodulen und den technischen Gerä­ten der Zentrale fehlt vor allem die Dacheindeckung des neuen Schulungsraumes. Da gegen Ende der Trockenzeit im Mai die Temperaturen bis knapp unter 45 Grad im Schatten ansteigen, haben wir eine isolierende Dachbedeckung vorgesehen, die ebenfalls im Container mitgeliefert wird.

Wie geht es nun weiter? Wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, sollte Ende Oktober/Anfang November technisch alles gelöst sein. Der Radiosender von JARABE wird dann sehr kostengünstigen Strom nutzen können, und die Schulung im Umgang mit den Computern kann beginnen.

Schon Ende September wird JARABE eine Mitglieder-Versammlung durchführen und wohl auch einen neuen Vorstand und Koordinatoren wählen. Es hat sich gezeigt, dass in die Kommunikation zwischen LHL und JARABE mehrere Personen eingebunden werden müssen. Es wird endlich auch möglich sein, mit dem Direktor des Collège und weiteren Lehrkräften direkten Kontakt aufzunehmen.

Investitionen in die Bildung der Heranwachsenden sind das beste Mittel, die Lebensbedingungen zu verbessern. Und dabei kann das Internet eine unglaublich effektive Rolle übernehmen.

R. Madingar wird zunächst Lehrer in der Nutzung des Angebots im Internet ausbilden. Man darf nicht vergessen, dass sie in der Regel nur sehr kurze Ausbildungen hatten, die gekennzeichnet waren durch Mangel an Fachbüchern und sonstigen für uns selbstverständlichen Hilfsmitteln.

Schon im Herbst 2016 hat R. Madingar bei seinem ersten Besuch einen mit LED-Lampen bestückten Videoprojektor übergeben zusammen mit einigen DVDs mit allgemeinem Lehrmaterial. Bald wird es möglich sein, die Lehrfilme aus dem Internet gemeinsam zu studieren und zu erörtern.

Wie der Zugang zum Internet und die Nutzung der Laptops für die Menschen in Benoye geöffnet werden kann, wird noch zu entwickeln sein. R. Madingar als Dipl.Informatiker wird da seine ganze Kunst aufbieten müssen.

Gegen Ende der Regenzeit beginnt im Tschad auch wieder der Unterricht. LHL unterstützt ja schon seit der Gründung 1995 das Collège in Benoye, indem wir den Schulbesuch der Mädchen finanziell jedes Jahr fördern.

Wir hoffen, dass die Schulungen in der Benutzung von Computern vor allem den Schulabgängerinnen vom Collège gute Beschäftigungschancen eröffnen. Die benachbarte Großstadt Moundou ist der größte industrielle und gewerbliche Standort des Tschad. Die Erwartungen vor Ort sind sehr, sehr groß.

Wir danken Allen für jegliche Unterstützung dieser Arbeit mit unseren Partnern im Tschad.